9. Juni 2017

UK-Wahl verstärkt Unsicherheit bei schwäbischer Exportwirtschaft

Auch die Manager der über 500 schwäbischen Firmen mit regelmäßigen UK-Aktivitäten, davon knapp ein Drittel mit eigener Präsenz vor Ort, verfolgten gestern die Parlamentswahl im Königreich mit großem Interesse. Denn mit einem Ausfuhrvolumen von fast 15 Mrd. EUR in 2016 ist das Land der größte Abnehmer von Waren „Made in Bavaria“ in Europa. Insbesondere in den Branchen Maschinenbau, Kfz, Infrastruktur sowie Lebensmittel und Logistik bereitet der nahende Brexit den schwäbischen Unternehmern Sorge.
„Durch die nun unklaren Mehrheitsverhältnisse nach den Wahlen wird der Fahrplan für die Brexit – Verhandlungen jetzt Makulatur. Dabei ist es der oberste Wunsch unserer betroffenen Firmen, die Austrittsverhandlungen zügig zu führen und zeitgerecht bis Ende 2018 abzuschließen“, betont Axel Sir, Leiter International der IHK Schwaben. Nach einer bayernweiten Umfrage steht bei den Unternehmern im Freistaat als Verhandlungsergebnis nach dem Ausscheiden Großbritanniens auf der Prioritätenliste ganz oben die Hoffnung auf möglichst wenig Bürokratie bei grenzüberschreitenden Lieferungen, die Vermeidung von Zollangaben sowie eine unkomplizierte Mitarbeiterentsendung, zum Beispiel bei Montageeinsätzen.
Als Hoffnungsschimmer sieht der IHK-Außenwirtschaftsexperte in der Wahlschlappe Theresa Mays zwar eine Abkehr von ihrer Strategie eines „harten Brexits“ und damit mehr Zugeständnisse der britischen Regierung an die Forderungen der EU. Sir: „Allerdings wird sich die geschwächte Premierministerin innerparteilichen Diskussionen stellen müssen. Das verhindert erst einmal eine klare Perspektive, die das Engagement unserer Firmen in Großbritannien benötigt.". Gerade bei den Investitionen befürchtet Sir nun noch stärkere Zurückhaltung als bislang schon: „Wir sehen im ersten Quartal diesen Jahres bereits einen Rückgang unserer Exporte auf die Insel um rund sieben Prozent. Viele Unternehmer haben ihre Investitionspläne auf Eis gelegt. Denn die Wirtschaft braucht klare und verlässliche Rahmenbedingungen. Unsicherheit ist Gift“.