Die deutsche Kreditwirtschaft steht mit Basel III vor deutlichen Veränderungen. Auswirkungen auf die Finanzierung der mittelständischen Unternehmen werden folgen.
Angesichts der konjunkturellen Lage in Europa und der Welt ist die Wirtschaft in Deutschland und in Schwaben erstaunlich robust. Die Unternehmen hierzulande profitieren von einer stabilen Nachfrage. Viele nutzen die eigene Ertragskraft zur Finanzierung von Investitionen und Wachstum, aber auch die Fremdfinanzierung funktioniert gut. Banken und Sparkassen stehen den Unternehmen mit Krediten auf einem historisch niedrigen Zinsniveau zur Seite.
Doch die Folgen der Finanzkrise 2008/2009 sind immer noch präsent. Mit dem Ziel, Risiken im Finanzsektor besser zu kontrollieren, werden von Politik und Bankenaufsicht verschiedene Regulierungsmaßnahmen diskutiert und schrittweise eingeführt. Zentraler Baustein sind die als Basel III bekannten verschärften Eigenkapitalrichtlinien bei der Kreditvergabe sowie neue Refinanzierungsregeln für Kreditinstitute. Die Regelungen treten erst ab 2013 stufenweise in Kraft. Dennoch ist schon jetzt eines absehbar: Die neuen Regeln betreffen nicht nur die Banken und Sparkassen, sondern werden auch die Rahmenbedingungen für die Finanzierung mittelständischer Unternehmen verändern.
Die Basel-Richtlinien haben seit 1992 eine lange Tradition. Heute brauchen Kreditinstitute mehr und besseres Eigenkapital. Beibehalten wird die Risikogewichtung der Kreditforderungen. Neu ist, dass Kreditinstitute ihr Eigenkapital schrittweise, beginnend 2013, bis 2019 auf mindestens 10,5 % ihrer risikogewichteten Kredite und weiterer Aktivpositionen aufstocken müssen. Gleichzeitig werden die Anforderungen an die Qualität des Eigenkapitals verschärft. So muss das harte Kernkapital von bisher 2 auf 7 % erhöht werden. Dieses besteht z. B. bei einer Aktiengesellschaft aus dem Grundkapital und den Rücklagen. Es muss also mehr und teureres Eigenkapital vorgehalten werden. Zusätzlich wird eine Höchstverschuldungsquote eingeführt, mit der die Bilanzsumme unabhängig von der Risikosituation auf das 33-fache des Kernkapitals begrenzt wird. Zudem müssen die Finanzhäuser neue Standards hinsichtlich der von ihnen vorzuhaltenden Liquidität und ihrer Refinanzierungsquellen erfüllen.
Messlatte wird künftig höher liegen
Kreditinstitute haben zwei Möglichkeiten: Sie können weniger Kredite vergeben oder ihre Geschäfte mit dem geforderten höheren Eigenkapital hinterlegen. Die Branche wird künftig jedoch bei der Kreditvergabe wohl noch selektiver vorgehen und die Messlatte bei der Bonitätsbeurteilung ihrer Firmenkunden höher legen. Firmen mit sehr guter Bonität werden hiervon vermutlich kaum etwas spüren, doch für Unternehmen mit schwächerer Rentabilität und geringen Eigenmitteln dürfte die Finanzierung schwieriger und auch teurer werden. Auch risikoreichere Finanzierungen (Existenzgründungen, Unternehmensnachfolgen und Innovationen) werden voraussichtlich anspruchsvoller.
In Deutschland nutzen viele Unternehmen die Möglichkeit, sich langfristig und zu festen Zinssätzen zu finanzieren. Gerade in wirtschaftlich schwächeren Zeiten bringt dies Stabilität und Sicherheit für die Planung. Allerdings wird die im deutschen Bankensystem bewährte Fristentransformation – kurzfristige Kundeneinlagen werden zur Finanzierung langfristiger Kredite verwendet – durch die neuen Vorschriften zur Liquidität und Refinanzierung eingeschränkt. Das bedeutet, dass Kreditinstitute langfristige Kredite künftig stärker als bisher langfristig und damit teurer refinanzieren müssen. Dies könnte das Angebot langfristiger Laufzeiten und Zinsbindungen verteuern und reduzieren. Dagegen könnten Anleger durch den Wettbewerb um langfristige Einlagen von besseren Renditen profitieren.
Handlungsoptionen für Unternehmen
Seit Basel II ist die Höhe des Eigenkapitals, das eine Bank für einen Kredit hinterlegen muss, abhängig von der Bonität des Kreditnehmers, den Sicherheiten und der Laufzeit des Kredits. Basel III verstärkt diesen Effekt. Unternehmen können den Eigenkapitalbedarf und damit die Kreditkosten zum Teil selbst beeinflussen. Daher solle man die eigene Bonität und das eigene Rating gut im Blick haben, um seiner Bank oder Sparkasse jederzeit aussagekräftige Fakten präsentieren zu können. Suchen Sie gemeinsam mit Ihrem Bankberater Ansatzpunkte zur Verbesserung der Ratingnote. Dadurch erleichtern Sie sich den Zugang zum Kredit. Durch höhere Sicherheiten lassen sich die zu zahlenden Zinsen verringern. Bei fehlenden Sicherheiten kann eine Bürgschaft der Bürgschaftsbank Bayern bzw. der LfA beantragt werden. Auch flexible Kreditlaufzeiten können die Konditionen positiv beeinflussen.
Unternehmen sollten sich mit Blick auf den 1.1.2013 strategisch auf die Veränderungen einstellen. In jedem Fall sollte die eigene Finanzierung auf Optimierungsmöglichkeiten durchleuchtet werden. Unternehmer sollten einen intensiven Dialog mit ihrem Bankberater pflegen, um angepasste Lösungen zu finden. Wichtig ist dabei auch, die Strategie der eigenen Hausbank zu kennen.
In die strategischen Überlegungen zur langfristigen Strukturierung der Finanzierung sollten aber auch alternative Finanzierungsformen einbezogen werden. Wichtig ist hierbei die Eigenkapitalstärke eines Unternehmens. Je höher die Eigenfinanzierung, desto unabhängiger ist es von einer Kreditfinanzierung. Gleichzeitig erleichtert eine höhere Eigenbeteiligung den Zugang zur Fremdfinanzierung und verbessert die Kreditkonditionen. Wenn die eigenen Möglichkeiten nicht ausreichen, lohnt sich die Hinzunahme von Beteiligungskapital. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen bietet die BayBG (Bayerische Beteiligungsgesellschaft) stille Beteiligungen an. Unternehmen erhalten damit langfristiges Kapital, das bilanztechnisch als wirtschaftliches Eigenkapital zählt, ohne dass Einfluss auf die Geschäftspolitik genommen wird. Auch andere Beteiligungsformen, wie z. B. eine direkte Beteiligung am Gesellschaftskapital und weitere Finanzierungspartner können in Frage kommen.