IHK-Präsident: „Schaffen wir frohgemut weiter“
Dr. Andreas Kopton trotzt beim IHK-Neujahrsempfang Negativprognosen für 2012
Die einen proben Untergangsszenarien, die anderen appellieren an Durchhaltevermögen, Zuversicht, Vertrauen und Gelassenheit. Entgegen des derzeit viel zitierten am 21.12.2012 auslaufenden Kalenders der Maya und entgegen der Negativprognosen einiger führender Wirtschaftsforschungsinstitute für das Jahr 2012 bleibt Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, seiner optimistischen Linie beim IHK-Neujahrsempfang treu: „Es geht uns gut. Die Wirtschaft ist im vergangenen Jahr stark gewachsen, die Arbeitsmärkte sind nahezu leer gefegt. Der Konsum läuft und wenn es eines Beweises für Wettbewerbsfähigkeit bedürfe, dann liefern ihn unsere Exportquoten und die Aussagen deutscher Forschungsinstitute, die Schwaben geradezu in einer Musterrolle sehen.“
Kopton sieht den produktionsorientierten Standort Bayerisch-Schwaben gut gerüstet für ein Wirtschaftsjahr, das von der Euro-Krise bis zur Energiewende in der Tat ernste Herausforderungen bereithalten mag. Er appelliert an unternehmerisches und besonnenes Handeln, an Risikobereitschaft und an den Konsum: „Lassen Sie uns in den nächsten Monaten ordentlich leben und viel konsumieren. Denn sollte die Welt untergehen, dann haben wir wenigstens Spaß gehabt. Und sollte sie nicht untergehen, dann schaffen wir frohgemut weiter.“
Trotz allem Augenzwinkern und Optimismus hält der IHK-Präsident unter den Stichworten Panik, Populismus und Partikularinteressen aber auch mit kritischen Worten nicht hinter dem Berg. Er warnt vor Überdramatisierung und Panikmache einzelner Themen, vor allem gesteuert durch die Beschleunigung der medialen Darstellung: „Der Unterhaltungswert des Dramatischen ist in keinster Weise zu übertreffen, er sorgt für Auflage und Einschaltquoten. Was wir brauchen ist nicht Panik. Was wir brauchen ist Vertrauen und Zuversicht. Warum sollte es nicht möglich sein, dem Währungsraum des zehn Jahre alten Euros Stabilität zu verleihen?“
Lob und Anerkennung hält Kopton für die Stadt Augsburg sowie für das Allgäu bereit. Die Stadt Augsburg habe im Zeitalter populistisch orientierter Wendehals-Politik beim Thema Gewerbesteuererhöhung langfristige und strategische Überlegungen bewiesen. „Hier wurde nicht populistischen Versuchungen nachgegeben. Es ist nachhaltig gedacht, die Wirtschaft der Stadt nicht zusätzlich zu belasten. Der Wirtschaftsstandort Augsburg wird dadurch aufgewertet“, so Kopton. Für das Allgäu hob Kopton die Entwicklung der Allgäu-Marke hervor, die sehr gut angenommen werde und der Region ein sympathisches Gesicht verleihe.
Genaues Hinsehen fordert Kopton in puncto europäische Wirtschaftszone, die durch Einzelinteressen zersplittert zu werden drohe: „Zu sehr sieht man die Abhängigkeiten, etwa vom Engagement der Banken einzelner Staaten in den Schuldenländern, oder auch die Unfähigkeit für soziale Konflikte eine Lösung zu finden.“ In der nahen Region verweist Kopton als markantes Beispiel auf Stuttgart 21. Bayerisch-Schwaben könne mit dem Ausgang des Bürgerentscheids zwar zufrieden sein, insgesamt sei die Bedeutung des Projektes für den süddeutschen Raum bislang aber viel zu wenig gewürdigt worden. Kopton fordert vor allem die Politik auf, an der richtigen Stelle auch mal „Nein“ zu sagen und Einzelinteressen dem Gemeinwohl der Gesellschaft öfter mal hintan zu stellen: „Politiker und auch wir Unternehmer müssen den Mut und die Kraft finden, immer wieder aufs Neue auf das Gemeinwohl hinzuweisen, wenn Partialinteressen drohen dieses Gemeinwohl zu verhindern.“
Den IHK-Neujahrsempfang bezeichnete Kopton eingangs seiner Rede als „traditionelle Plattform für ein modernes Networking“. Über 700 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren am 16. Januar 2012 diesem Ruf gefolgt und feierten bis in die späten Abendstunden in der Schaltzentrale der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft das neue Jahr mit neuen Geschäften - auf ein Wiedersehen im Januar 2013!